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Sonntagsgedanke

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„Lebe jeden Tag so, als ob es dein letzter wäre.“

Dieser Spruch begegnet uns häufig und erst gestern fand ich ihn als Untertitel zu einem Spielfilm. Die Beliebtheit dieses Spruches liegt wohl darin, dass er uns ein Stück Lebensweisheit schenkt und uns daran erinnert, dass unsere Lebenszeit äußerst begrenzt ist. Wir sollen dankbar sein für jeden Tag und das tun, was uns wirklich wichtig ist, was uns am Herzen liegt. Gerade wenn der Herbst vor der Tür steht und die Uhren wieder auf Winter gestellt werden, überkommt uns ja unwillkürlich die Frage, wieviel Zeit bleibt mir noch und nutze ich diese Zeit sinnvoll?

Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, was würde ich dann tun? An einen Ort reisen, wo ich eine ganz tolle Erfahrung hatte, wo es Kultur/Natur zu entdecken gab? Einen Tag noch einmal mit meinen besten Freunden/Freundinnen oder mit meiner Familie verbringen? Oder zu Hause bleiben und einen einzelnen Menschen einladen, der mir immer viel bedeutet hat? In die Kirche gehen, mit Gott ins Reine kommen, beten?

All diese Fragestellungen können uns zu einem Leben führen, wo wir uns Gedanken machen, was wirklich wichtig ist. Und sie können uns zu Dankbarkeit und Zufriedenheit führen (auch gegenüber Gott). Der Spruch „Lebe jeden Tag so, als wenn es dein letzter wäre.“ und eben aufgeführte Fragestellungen haben jedoch einen Nachteil: Immer geht es darum, mit etwas abzuschließen, weil das Ende des Lebens greifbar sein könnte.

Im Leben geht es aber nicht nur darum, einen guten Abschluss zu finden, sondern auch immer wieder einen guten Anfang und Neubeginn. Offenheit für das, was mir begegnet und Neubeginn ist ja auch immer wieder ein Thema von Jesus. Deshalb gefällt mir der Spruch: „Lebe jeden Tag so, als wenn es dein erster wäre.“ denn er hält mich offen für Neues, er bewahrt mich davor, immer nur im eigenen Saft zu schmoren und er macht mir deutlich: Jeden Tag kann mir ein Mensch begegnen, den ich bisher nicht kannte und der mir jetzt wichtig wird. Wenn wir schauen, wie ein Kind, das gerade laufen gelernt hat, mit strahlenden Augen losrennt und jeden Tag eine neue Welt, die Schönheit der Natur aber vor allem auch neue Menschen entdeckt, so müssen wir Erwachsenen feststellen, dass uns die Bereitschaft, uns auf Neues einzulassen, manchmal fehlt, auch die Bereitschaft, neue Menschen kennenzulernen. Wenn wir aber immer nur bereits Erlebtes wiederholen und auch unsere Bereitschaft neue Menschen kennenzulernen sinkt, geht uns ein Stück Lebensqualität ab und wir werden ein Stück einsamer. Der Blick auf das Kind, das unbefangen auf die Welt zugeht und jeden Tag Neues entdeckt, kann uns eine Hilfe sein, sinnvoll mit unserer knappen Lebenszeit umzugehen und jeden Tag dankbar für das Neue zu sein, was uns geschenkt wird. Danken wir auch Gott für jeden Tag der uns Neues bringt und auch für Menschen die neu in unser Leben hineintreten. „Lebe jeden Tag so, als wenn er dein erster wäre.“ das lässt sich auch sicher auf unseren Alltag in unserer Pfarrei übertragen. Unsere Jugendlichen und die älteren Ministranten freuen sich darauf, bei Internationalen Veranstaltungen und Wallfahrten neue Menschen kennenzulernen, sie freuen sich auch darauf, die Jugendlichen anderer Kirchorte unserer Pfarrei kennenzulernen und sind Neugierig aufeinander. Wir Erwachsenen haben da manchmal Angst und Vorbehalte. Aber auch unter uns Erwachsenen entdecke ich zum Glück viel Offenheit, Freude in der Begegnung und Lust darauf, Besonderheiten in den anderen Kirchorten zu entdecken, sei es in der Gestaltung der Kirchen oder in dem, was die Menschen vor Ort ausmacht. Heben wir den Schatz, der in der Entdeckung von neuem liegt, auch in unserer Pfarrei. Auf diese Weise können wir auch beim Erntedankfest dankbar sein, für das, was uns bisher geschenkt wurde, aber auch für das, was noch an neuen Entdeckungen und Begegnungen vor uns liegt.

Ihr Pfarrer Werner Walczak