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Impulse in der Weihnachtszeit

Impulse in der Weihnachtszeit
Impulse in der Weihnachtszeit

Liebe Leser

Es war zur Zeit der Donaumonarchie: Wenn damals ein Kaiser gestorben war, dann wurde der Sarg nach der Trauerfeier im Dom in einer feierlichen Prozession zur Kapuzinergruft geführt.

Vor dem verschlossenen Tor der Gruft stoppte der Zug, ein Herold trat vor und klopfte an. Von drinnen ertönte dann eine Stimme, die nachfragte, wer denn Einlass begehre. Der Herold verkündete "Der Kaiser", und er fügte in feierlicher Sprache all dessen Titel hinzu. Das Tor blieb verschlossen.

Ein zweites Mal klopfte der Herold, und wieder ertönte von drinnen die fragende Stimme, wer denn Einlass begehre. "Der König", antwortete der Herold dieses Mal, und nannte all dessen Besitzungen. Wieder blieb das Tor verschlossen.

Noch einmal klopfte der Herold, und erneut fragte die Stimme von drinnen, wer Einlass begehre.

"Ein armer Sünder", antwortete der Herold jetzt ganz demütig, und sogleich öffnete sich das Tor und der Sarg konnte in die Gruft hinuntergetragen werden.

Ein uraltes Ritual und ein sehr eindrucksvolles Ritual, ein Ritus, der auf sehr drastische Weise deutlich macht, welche Bedeutung Titel, Besitzungen, Ehrenabzeichen und Ämter im Letzten wirklich haben. Vor Gott bedeuten sie nichts. Im Tod sind der Kaiser, der Manager, der Geschäftsmann, die Hausfrau, der Papst und das Kind nichts anderes als ein Mensch, ein Mensch, der nun vor Gott steht und plötzlich nach Maßstäben gemessen wird, die so ganz anders sind als die, die wir normalerweise anlegen.

Im Tod sind alle gleich. Und nicht erst dann. Vor Gott gilt das nämlich von Anfang an, zu jeder Zeit.

Petrus hat das offenbar im Haus des Kornelius erfahren müssen. Kornelius war ein Heide, ein Fremder, einer, den Petrus absolut nicht als gleichwertig betrachtete. Gott hatte ihn eines besseren belehrt. Und so bleibt Petrus nichts anderes übrig als zu sagen: "Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist."

Vor Gott sind alle gleich. Wir hören das, wir lassen uns das immer wieder sagen, wir wissen es, aber Auswirkungen hat dieses Wissen recht wenig.

Trotz jenes eindrucksvollen Rituals in Österreich wurde auch dort der Kaiser ganz anders zu Grabe getragen als ein normaler Sterblicher - vom Aufheben, das um seine Person zu Lebzeiten gemacht wurde, ganz zu schweigen.

Trotz unseres Wissens, dass Gott keine Unterschiede macht, halten wir auch heute noch manche Menschen für besonders wichtig - für wichtiger als andere. Und auch Kirche ist da keine Ausnahme.

Wie hat man überhaupt auf die Idee kommen können, jemanden allen Ernstes "Hochwürden" zu nennen, oder gar noch vom "hochwürdigsten Herrn" zu sprechen - und das in einer Kirche, in der Petrus schon in den ersten Jahren die Erfahrung machen musste, "dass Gott nicht auf die Person schaut, sondern dass ihm (...) willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist."

Es mag viel Merkwürdiges und manch Merkwürdigen auch in unserer Kirche geben, hochwürdig, ist mit Sicherheit keiner, denn die Würde, die wir von Gott her erhalten haben, die ist uns allen gemeinsam: Menschen sind wir, von Gott geliebte Menschen, das und auch nur das zeichnet uns aus - und zwar jeden Einzelnen in genau der gleichen Weise.

           

Peter Kovalcin
Pfarrer (Kooperator)
Hubertusstrasse 835619Braunfels
Tel.:06442-953530

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